Kirchengemeinde Vahlhausen
Andacht
Alles ist erlaubt – aber nicht
alles nützt. Alles ist erlaubt –
aber nicht alles baut auf. Denkt
dabei nicht an euch selbst, sondern
an die anderen. (1. Korinther 10,23–24)
Freiheit mit Grenzen
„Alles ist erlaubt“ steht ja nun im
krassen Gegensatz zum „Du sollst
nicht“ der Zehn Gebote. Gibt es
etwa Ausnahmen bei den Geboten,
die der Apostel Paulus jetzt erklären muss? Oder hat sich die Zeit einfach
geändert, und man kommt mit Verboten und Einschränkungen in der Kirche
nicht mehr klar, nicht mal in der ganz jungen Kirche im 1. Jahrhundert nach
Christus?
Wir sind heute gern schnell dabei zu sagen, dass sich die Zeiten geändert
haben, wir uns der Welt und ihren Gegebenheiten doch annähern oder gar
anpassen müssen, moderne Kirche sein. Aber ist grenzenlose Freiheit wirklich
modern, erstrebenswert?
Ich habe nach der Wende ziemlich schnell die Erfahrung gemacht, dass die
Freiheit, die nun angeboten wurde, in neue Abhängigkeiten, auch manche
Unfreiheit geführt hat. Freiheit nur für sich allein gibt es nicht. Obwohl es
Menschen gibt, die das für sich so sehen möchten. Ich lebe immer, ob ich das
will oder nicht, in einer Gemeinschaft. In einer Gemeinschaft ist auch die
Freiheit so zu gestalten, dass meine Freiheit nicht anderen schadet. Denn die
Freiheit der ¬anderen soll ja auch mich nicht beschädigen.
Alles ist erlaubt, wenn, ja wenn es dem anderen nicht schadet. Es gibt ein
Gegenüber. Sonst ist leben egoistisch, einsam, gottlos.
Und dann sind auch die Zehn Gebote nicht Einschränkung, sondern eröffnen
Leben. Da wird aus dem „Du sollst nicht“ ein „Du brauchst nicht“. Du brauchst
keinen anderen Gott, du brauchst nicht zu töten, zu stehlen.
Carmen Jäger