Aktion Ghana
Berichte über Vahlhauser Hilfsaktionen seit 2002
Neues aus Ghana
Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben. Das können jedenfalls die bestätigten, die im Oktober/November nach Ghana reisten, um sich vor Ort über den Fortgang unserer Projekte zu informieren und um Land und Leute näher kennen zu lernen. Die, das waren Friedhelm und Beate Nolte, Regina und Jonas Wagner und ich selbst. Die Gelegenheit, Land und Leute kennen zu lernen gab es zur Genüge, die Möglichkeit einen Blick auf unsere Projekte in Kpalba und Bladjai zu werfen dagegen etwas weniger. Denn einmal mehr bestätigte sich Murphies Gesetz, dass alles, was schiefgehen kann, auch schiefgeht.
Schuld waren einerseits die Neigung der Ghanaer, alles nicht so ernst zu nehmen und Unglücke hinzunehmen, wie sie kommen, andererseits auch die, selbst für afrikanische Verhältnisse, katastrophalen Straßenbedingungen, wie sie in dieser Form selbst für mich ein Novum waren. Diese Straßenverhältnisse, gepaart mit einem Fahrer, der jede afrikanische Gemütlichkeit fahren ließ und das Auto mit einem Tempo über die Buschstrecken jagte, als gelte es, dem Leibhaftigen zu entkommen, kostete uns schon auf dem Weg nach Bladjai unser Auto. Jedenfalls erfuhren wir bei dieser Gelegenheit, wie man einen Kühler mit Kernseife reparieren kann, später dann mit einer Mischung aus Seife, Eiern und Zement. Zwangsaufenthalte in unbekannten Orten, banges Warten, ob wir überhaupt weiterkommen würden. Beide hielten denn auch nicht sehr lange, und so war dann für dieses Auto in Yendi endgültig Schluss. Wieder Warten und ein kurzer Besuch in Kpalba, wo wir uns zumindest davon überzeugen konnten, dass die Mutter-Kind-Station tatsächlich im Bau ist - finanziert aus Eigenmitteln der Klinik - und demnächst mit unserem Geld in eine neue Bauphase eintreten kann.
AUS: Unsere Gemeinde Dezember 2011 / Januar 2012
Besuch aus Ghana
Knapp zwei Wochen waren
Gäste aus Ghana zu
Besuch in unserer Gemeinde.
Dabei gewannen
sie einen Einblick in die
Arbeit einer Kirchengemeinde
in Deutschland.
Sie besuchten die verschiedenen
Kreise, wie den Frauenkreis, wo
hauptsächlich über die
verschieden aber gar nicht
so unterschiedlichen Probleme
von Frauen in Deutschland und Ghana diskutiert wurde, informierten
sich in unserer OGS über den
Schulalltag der Kinder in
Deutschland, bekamen einen
Einblick in die vielfältigen
Aufgaben, die sich uns in immer
schwerer werdenden Zeiten
stellen – selbst wenn diese
Schwierigkeiten nicht zu vergleichen
sind, mit denen in
Afrika.
Doch war es durchaus
eine Überraschung, wie viele
Opfer es für Menschen hier
bedeuten kann, die Kliniken in
Kpalba und Bladjai „am Leben
zu erhalten“. Denn aus der
Ferne besehen ist für Afrikaner
Deutschland ein Land, das von Milch und Honig überfließt. Bei ihrem Besuch
konnten sie einen Blick auf die nüchterne Realität werfen.
Ein Höhepunkt des Besuches war sicherlich der Gottesdienst, der ein afrikanisches
Flair hatte, in dem aber auch die Kinder der Jungbläser von Lothar
Tarnow Glanzlichter setzten. So wurde es ein rundum fröhlicher und gelungener Gottesdienst,
von dem die BesucherInnen noch lange zehren werden.
Neues – und sehr
Erfreuliches - gibt
es auch aus Kpalba
zu berichten.
Im vergangenen
Jahr begannen wir
in Vahlhausen, für
eine „Mutter-Kind-Station“ als neues Projekt zu sammeln. Wie uns Godwin
Ampony berichten konnte, sind die Arbeiten dafür schon ziemlich weit voran
geschritten. So steht die Station bereits komplett im Rohbau. Ein weiterer
Trakt wurde in Angriff genommen, in dem ein Raum für das Personal, das
Wartezimmer für Patienten,
der Medikamentenraum
sowie Lagermöglichkeiten
untergebracht
werden sollen,
damit der alte
Trakt komplett für Untersuchungen,
ein kleines
Labor und Klinikbetten
genutzt werden
kann. Außerdem ist mit
Hilfe von „World Vision“
eine große Wasserzisterne
errichtet worden. Das macht Hoffnung für die Zukunft.
AUS: Unsere Gemeinde Mai 2011
Neues aus Ghana
Anfang Februar besuchte ich
gemeinsam mit Herrn Dr. Udo
Süthoff neben anderen Projekten
des Partnerschaftsausschusses in
Lippe auch unsere Klinik in
Kpalba, sowie die Schwesterklinik
in Bladjai. Grundsätzlich
kann ich sagen, dass sich in beiden
Kliniken viel getan hat – und
das in einem wirklich guten
Sinn.
Zunächst das wirklich Erfreuliche:
Die Gelder, die auch und
gerade von unserer Gemeinde
zum Unterhalt der Klinik(en)
beigesteuert wurden, sind allesamt
angekommen und auch
tatsächlich im angedachten Sinn
verwendet worden. Wer Afrika
kennt und damit auch den Hang,
dass Geld in alle möglichen Kanäle
wandern kann, weiß, dass
hier schon ein an sich kleines
Wunder vorliegt.
In Bladjai konnten wir ein Auto
übergeben, dass vom Partnerschaftsausschuss
im vergangenen
Jahr angekauft und nun von
ortsansässigen „Automechanikern“
in einen wirklich guten
Zustand versetzt worden war. Es
war komplett auseinander genommen,
mit einem neuen Unterboden
und einem anderen
Aufbau ausgerüstet worden. Jetzt
kann es in der Klinik als eine Art
Krankenwagen benutzt werden,
oder dazu, weit entfernte Gebiete
zu erreichen.
Auch die dortigen „Gästehäuser“,
die zum Teil durch ein Benefizkonzert
finanziert worden
waren, zeigen sich in einem guten
Zustand, nachdem sie im
letzten Jahr durch einen Regensturm
fast völlig zerstört worden
waren. Die Hütten dienen dazu,
einerseits dem Personal Unterkunft
zu bieten, anderseits aber
auch, um Patienten, die über
Nacht in der Klinik bleiben müssen,
ein Obdach zu geben.
Auch in unserer eigentlichen
Partnerklinik in Kpalba (man
spricht es nur „Palba“) ist so
einiges geleistet worden. Endlich
ist unsere Klinik mit Strom versorgt.
Zwar nicht, wie wir es uns
ursprünglich erhofft hatten,
durch den Anschluss an das öffentliche
Stromnetz, wohl aber
durch die Installation durch Sonnenkollektoren.
Möglich wurde das durch zahlreiche
Spenden vieler unserer
Gemeindemitglieder. Ein Kühlschrank
wurde angeschafft, in
dem nun Impfstoffe und Schlangensera
gelagert werden können.
Ventilatoren werden demnächst
installiert – bei Außentemperaturen
von gut 60 Grad, wie wir
es in diesem Jahr selbst erlebten,
sicherlich eine sinnvolle
Investition.
Groß war die Freude, als wir
in der Klinik ein Motorrad
überreichen konnten, dessen
Kauf durch eine Einzelspende
aus unserer Gemeinde möglich
gemacht werden konnte.
Damit kann nun die Hebamme
in die entlegenen Dörfer
des Versorgungsgebietes fahren,
um dort Mädchen und
Frauen aufzuklären, was zur
Schwangerschaftsverhütung
zu beachten ist, aber auch,
was im Fall der Niederkunft
zu tun ist. Denn hier herrscht
immer noch großes Unwissen.
Das mussten wir hautnah miterleben,
als in Bladjai ein kleiner
Säugling an Wundstarrkrampf
starb, weil die junge Mutter ihn
falsch abgenabelt hatte.
Nun gibt es weitere Pläne für die
Klinik. Demnächst soll mit dem
Bau einer kleinen Mutter-Kind-
Station begonnen werden. Dazu
gehören ein Entbindungsraum,
ein Raum, in dem Mütter und
ihre neugeborenen Kinder einige
Tage bleiben können, ein Schulungsraum
und ein Untersuchungszimmer.
Arbeit für viele
Jahre und weitere Möglichkeiten
für uns, zu helfen, wo Hilfe
wirklich nötig ist.
Ihr Andres Wagner
(aus: Unsere Gemeinde Vahlhausen Nr. 32 März 2010 Jahrgang 4)
Neues aus Ghana
Vor kurzer Zeit war ich als einer der Vertreter des Partnerschaftsausschusses Lippe einmal mehr in Ghana.
Zweck der jetzigen Reise war eine Konferenz, bei der der PA Lippe, die Norddeutsche Missionsgesellschaft,
sowie Partner aus der Westfälischen Landeskirche versuchten, die Hilfe für Nordghana besser zu bündeln und zu strukturieren.
Das ist uns auch gelungen. Wir sind nun stärker in das Development Office in Nordghana eingebunden und können die Hilfe der Fachleute vor Ort in Anspruch nehmen.
Das betrifft sowohl die Einschätzung der Projekte auf Sinn und Nutzen, als auch Hilfestellungen bei der Durchführung und eine bessere Kontrolle der Finanzen.
Gleichzeitig konnte ich mich zum ersten Mal seit der Radtour 2007 danach umsehen, ob die Hilfe, die damals nach den katastrophalen Regenfällen geleistet worden war, auch Früchte getragen hat.
Damals war ein Großteil der Ernte vernichtet worden, viele Familien verfügten über keinerlei Mittel, um neues Saatgut kaufen zu können. Eine Hungersnot stand bevor.
Es hat sich gezeigt, dass mit den Mitteln aus Vahlhausen, Lippe und der Norddeutschen Missionsgesellschaft diese Katastrophe abgewendet werden konnte.
Gerade noch rechtzeitig lief die Hilfe an, damit die Saat ausgebracht werden konnte. Von dem Ertrag dieser Ernte war es nun wiederum möglich, erneut auszusäen.
Zwar wurde dadurch nicht gleich die ganze Welt gerettet, aber doch viele hundert Menschen, für die ohne unsere Hilfe ein Überleben schwer geworden wäre.
Der Dank der Betroffenen an all jene, die geholfen haben, ist sehr groß und ich möchte ihn hiermit weitergeben.
Leider war es mir nicht vergönnt, unsere Kliniken in Kpalba, bzw. Bladjai länger zu besuchen. Ich erwarte aber demnächst neue Nachrichten, sodass ich einen ausführlicheren Bericht geben kann.
Ihr Andres Wagner
(aus: Unsere Gemeinde Vahlhausen Nr. 23 April 2009 Jahrgang 3)
Sponsorenfahrt
Fast ein Jahr lang hat unsere Gemeinde gesammelt und gearbeitet, um den Ärmsten der Armen in Ghana zu helfen. Die Fahrradtour durch Ghana war eine große und eine großartige Aktion um Geld für unser Krankenhaus in Nordghana zu sammeln. Weit mehr als die angestrebten 6000,- € waren zusammengekommen. Doch die geplante Hilfe wurde überschattet durch die Flutkatastrophe im Norden Ghanas, die zahlreiche Opfer gefordert hatte.
Die Tour an sich war weit weniger anstrengend, als ursprünglich vermutet. Zwar waren einige Straßen immer noch nicht wieder hergestellt und zum Teil mussten wir Wege passieren, die eher ausgetrockneten Flussläufen glichen, denn einer befahrbaren Straße, doch hatten die Radfahrer oft weniger Schwierigkeiten, die Streckenabschnitte zu meistern, als diejenigen im Begleitfahrzeug. Für das Auto gab es oft unüberwindbare Hindernisse, die viel Zeit in Anspruch nahmen. Und so waren die Radfahrer in der Regel eher am Ziel, als die anderen, trotz unsagbarer Hitze und dem allgegenwärtigen Staub.
Doch unvergleichbar die Erlebnisse während der Tour - sozusagen am Straßenrand. Nie kamen die Menschen wirklich so nahe, wie auf dieser Tour. Hautnah konnten wir - fernab aller Delegationsreisen und offiziellen Termine - das Leben der einfachen Leute in den Dörfern miterleben. Ein Leben, das durch harte Arbeit und Armut gekennzeichnet ist.
Aber die Frage, die Sie interessiert, wird die sein, wie es denn um unser Krankenhaus bestellt ist, welche Opfer es durch die Flut gegeben hat und wie unsere Hilfe aussehen kann.
Das ist gar nicht so leicht zu beantworten. Die Hilfe, die wir bereits für die Stromversorgung geleistet haben, ist nahezu zunichte gemacht. Der aufgestellte Transformator ist der Flut zum Opfer gefallen, obwohl er in einer Höhe von fast vier Metern installiert worden war. Doch so hoch war das Wasser an dieser Stelle gestiegen. So muss ein neuer Weg für die Leitung gefunden werden, da zu befürchten ist, dass es zukünftig noch häufiger zu solchen Katastrophen kommen kann. Dieser Weg ist sehr viel länger und damit auch sehr viel teurer. Doch wir konnten Gespräche mit dem Staat führen, der - beeindruckt von dem Engagement der Deutschen - versuchen wird, den Grossteil der Finanzierung zu übernehmen. So bleibt die Hoffnung, dass wir unser Projekt zu einem guten Abschluss bringen können.
Viel schlimmer hat es die Schwesterklinik in Bladjai getroffen. Ihr haben die Regenstürme so sehr zugesetzt, dass sie zurzeit nicht nutzbar ist. Das Dach wurde so schwer beschädigt, dass es in das Gebäude regnete, Gerätschaften und Stromversorgung zerstörte. Die Fledermäuse hausen in einigen Räumen und machen sie unbenutzbar. Auch hier haben wir versucht, staatliche Stellen zur Hilfe zu bewegen und dürfen ebenfalls zuversichtlich sein.
In den Überschwemmungsgebieten haben wir die Fachleute angesprochen, jetzt die konkreten Schäden zu ermitteln, den Bedarf an Saatgut festzustellen, es vor der Aussaat im Januar zu besorgen und zu verteilen. So lange bleibt das gespendete Geld unangetastet.
War die Fahrt nun ein Erfolg? Ja! Auch wenn noch keine sichtbaren Ergebnisse vorliegen. Der größte Erfolg liegt darin, den Betroffenen gezeigt zu haben, dass man sie nicht vergessen hat und bei ihnen selbst angerührt zu haben, dass auch sie selbst etwas zu ihrer eigenen Hilfe beitragen können.
Jochen Büker, Andre Eikens,
Friedhelm Nolte, Andres Wagner
(aus: Unsere Gemeinde Vahlhausen Nr. 10 Dezember 2007 / Januar 2008)
Viele haarsträubende Ideen
Pastor Andres Wagner und seine drei Mitstreiter sind zurück von ihrer Ghana-Radtour

Noch 40 Kilometer bis zum Ziel: Friedhelm Nolte, Andres Wagner, Andre Eickens und Jochen Büker (von links).
Detmold-Vahlhausen. Mehr als 640 Kilometer war er bei Temperaturen jenseits von 40 Grad mit dem Fahrrad in Ghana unterwegs. Nicht aus Abenteuerlust, sondern für einen guten Zweck radelte Pastor Andres Wagner von Ho im Süden nach Kpalba im Norden des westafrikanischen Landes.
Am 20. Oktober startet Wagner gemeinsam mit Andre Eickens, Friedhelm Nolte und Jochen Büker die Radtour. Die drei Gemeindemitglieder unterstützen den Pastor auf dem langen Weg in die Stadt Kpalba teils im Kleinbus, teils auf einem zweiten Mountainbike.
Das tägliche Etappenziel beträgt 60 bis 80 Kilometer. Dieses versucht der 48-jährige Vahlhausener zu erreichen. Gefahren wird meist zwischen sechs und zehn Uhr morgens. „Danach ist die Sonne dermaßen unbarmherzig, da hilft auch keine Sonnencreme mehr", verdeutlicht der Pastor die Temperaturverhältnisse. Auf den ersten 100 Kilometern ab Ho im Süden ist die Straße noch geteert, so Wagner. Danach fährt er über eine Schotterpiste und überquert streckenweise ausgetrocknete Flussläufe. Die Straße ist häufig in so einem schlechten Zustand, dass das Begleitfahrzeug den Radfahrer kurzzeitig verlassen muss.
Zu einer gefährlichen Situation kommt es, als das Begleitfahrzeug aufgrund der Straßenverhältnisse einen weiten Bogen um Wagner und Eickens machen muss. Stundenlang, weit in den Nachmittag hinein, strampeln die beiden Fahrradfahrer in der Hitze und kommen sehr nah an ihre körperlichen Grenzen. „Es geht teilweise sehr an die Substanz", erklärt der Radsportler. Eine weitere Gefahr sind auch die Schlangen und Skorpione, die den Radfahrern täglich begegnen. Da heißt es: Still sein und hören, ob es im Busch raschelt. In den Rundhütten, welche die vier Vahlhausener auf ihrer Tour beziehen, sind Spinnen und Echsen keine ungewöhnlichen Gäste. „Bevor wir uns ins Bett legen, schauen wir, ob nicht vielleicht schon ein Skorpion darin sitzt", schildert Andres Wagner.
Können die wagemutigen Männer keine Unterkunft für die Nacht bekommen, schlagen sie ihre Zelte im Freien auf. Sie richten die Kochstelle ein, besorgen Lebensmittel. Dabei zeigt sich das eine oder andere Mal die Hilfsbereitschaft der Einheimischen, die den „Weißen" ihr Essen zubereiten. „Sie würden eher selbst nichts essen, bevor sie uns hungern lassen", erklärt Wagner die Gastfreundschaft der Ghanaer.
Andererseits ist es für die Einheimischen, so der Pastor, unbegreiflich, dass Weiße in Deutschland für sie Geld spenden, sich die Mühe machen, solch eine Reise zu unternehmen.
In größeren Städten, die einen Funkmast haben, ruft der 48-Jährige seine Frau Regina über das Handy an. Er berichtet von Erfolgen und Strapazen, hält die Gemeinde so auf dem Laufenden. Nach zehn Tagen erreichen die Lipper Kpalba - eine Stadt mit 1500 Einwohnern, in der Wagner 2005 zum Häuptling ernannt wurde. Seit 2001 unterstützt die Vahlhausener Gemeinde das dortige Krankenhaus.
Auch die Einnahmen der Radtour waren dafür vorgesehen. Für jeden gefahrenen Kilometer spendeten Vahlhausener und Detmolder zehn Euro. So sind 8000 Euro bei der Aktion zusammengekommen.
Die Situation im westafrikanischen Land erfordert nun, dass der Betrag einem anderen Zweck zugeführt wird. „Von Juli bis in den September hat es in Ghana sehr stark geregnet. Hütten wurden weggeschwemmt, es gab Todesopfer", erläutert Wagner. Eine verheerende Folge der Regenfälle ist zudem der Verlust des gesamten Saatgutes. Nun stehen den Einwohnern von Kpalba mindestens zwei Hungerjahre bevor. Mit dem Geld soll nun neues Saatgut angeschafft werden. Das einstige Vorhaben, die Klinik mit Strom zu versorgen, mache momentan wenig Sinn, so der Pastor, verschwindet aber nicht aus dem Blickfeld.
Die beiden Fahrräder sind in Afrika geblieben und dienen beispielsweise den Hebammen, die so besser in die umliegenden Dörfer kommen. Das Krankenhaus in Kpalba sehen die Vahlhausener mittlerweile als „ihr Projekt" und unterstützen die verrückten Ideen des Pastors, der sich um die Entwicklung in Ghana sorgt. Andres Wagner und seine drei Gefährten sind vor gut einer Woche in Vahlhausen angekommen. Noch hat der Pastor keine konkrete Vorstellung, um das Geld für die Elektrifizierung des Krankenhauses zu sammeln. „Es wird aber wieder eine bescheuerte und haarsträubende Aktion", verspricht er mit einem Lächeln.
aus: LIPPISCHE LANDES-ZEITUNG NR. 270, 21. NOVEMBER 2007
VON KATHARINA PAVLUSTYK
Radelnder Häuptling
Für den guten Zweck: Pastor Andres Wagner aus Vahlhausen plant 600-Kilometer-Radtour durch Ghana
Detmold-Vahlhausen. Neulich bekam Andres Wagner Nachricht: jeweils ein Viertelsack Reis, Bohnen und Yamswurzeln seien für ihn abgegeben worden. Er hat verfügt, dass die Säcke dem Hospital zugute kommen sollen. Bald wird er das Dorf persönlich besuchen: Der Pastor, Häuptling mehrerer Dörfer in Nordghana und zuständig für Entwicklung und Erziehung, macht sich wieder auf nach Kpala - per Rad.
Eine 600-Kilometer-Radtour ist als solche durchaus schon etwas Besonderes. Aber diese führt quer durch Ghana, vom Süden in den Norden, von Ho nach Kpala, aus den Tropen in die Sahelzone - und sie bringt Geld. Andres Wagner hofft, Anfang Oktober strampelnd 6000 Euro fürs Krankenhaus in Kpala zusammenzubekommen.
Seit vielen Jahren unterstützt die Kirchengemeinde das Hospital in dem kleinen Ort. Das Foto an der Wand im Vahlhausener Gemeindehaus zeigt ein niedriges, armselig scheinendes Häuschen - aber es ist ein Haus, finanziert von der Gemeinde, die auch die Baumaterialien für Rundhütten bezahlt hat, in denen die Mitarbeiter vor Ort leben. Ohne eine solche Unterkunft hätte sich beispielsweise keine Hebamme gefunden.
Jetzt steht also das nächste Hilfsprojekt der Vahlhausener an - das Hospital soll eine Stromversorgung bekommen, die etwa 5000 Euro kosten wird. Wagner lässt sich jeden seiner zu radelnden Kilometer mit zehn Euro sponsern. „270 Kilometer sind schon verkauft", freut er sich und verspricht, dass die Strecke auch tatsächlich per Rad zurückgelegt werden wird. Falls der Pastor, aus welchen Gründen auch immer, ausfallen sollte, steigt Ersatzfahrer Andre Eickens in den Sattel. Eickens sowie Friedhelm Nolte und Jochen Büker begleiten Andres Wagner im Auto - das ist schon alleine deswegen nötig, um 220 Liter Wasser für die vier zu transportieren, und um die Handy-Akkus laden zu können. Geschlafen wird hauptsächlich in Zelten, absprechen wollen die Detmolder sich per Mobiltelefon. „Für die Autofahrer wird es womöglich auch anstrengend, die müssen auf mich warten", sagt Wagner.
Der Pastor ist zuversichtlich, dass seine „tollkühne Tour", wie er selber sagt, ans Ziel führen wird. „Das hat noch nie ein Europäer gemacht. Die Afrikaner sagen, ich sei wahnsinnig. Und einen Radler mit Helm haben sie sowieso noch nie gesehen." Aber Wagner geht davon aus, vor Ort „alle Unterstützung" zu bekommen: „Der Ruf, dass Verrückte mit Rad und Auto unterwegs sind, um den Menschen im Norden helfen zu wollen, wird uns vorauseilen." Entsprechend geht er davon aus, dass die Räder sicher sein werden, ohnehin sei Ghana ein recht stabiles Land, die Korruption halte sich in Grenzen. Respekt hat Andres Wagner allerdings vor den Schlangen: „Da gibts zwölf Arten, von denen sechs hoch giftig sind. Und unterwegs gibt es kein Schlangenserum."
Die Route wird immer Richtung Norden führen, nahe der Grenze zu Togo. Vor allem der Kompass wird den Pastor leiten, denn was auf der Landkarte trügerisch fett rot eingezeichnet ist, ist keine gut ausgebaute Straße, sondern größtenteils Schotterpiste, quer durch kleine Dörfer und Städte. Dass er fit genug für die Tour ist, davon ist Wagner überzeugt: „Ich fahre 8000 Kilometer im Jahr." Er hoffe allerdings, dass es auf der Fahrt vom Regenwald in die Savanne „nicht zu heiß" werde. Mit 40 Grad wäre er schon zufrieden.
Wenn das Krankenhaus mit Strom versorgt ist, dann peilt die Vahlhausener Gemeinde ein neues Ziel an. Wagner:„In ganz Nordghana gibt es nur fünf Ärzte. Wir wollen gerne einem jungen Mann oder einer jungen Frau aus der Gegend ein Studium finanzieren, und zwar in Ghana. Er müsste sich dann verpflichten, fünf Jahre für unser und zwei andere Krankenhäuser Dienst zu tun." Um diese Idee zu finanzieren, fällt dem radelnden Pastor sicher eine neue Aktion ein. Auf seine Dörfer im Detmolder Osten und seine Gemeinde kann er zählen. Stolze 2000 Euro hat erst jüngst das Konzert unter dem Motto „Lebenslicht" von Concordia Diestelbruch und des Männerchores Vahlhausen eingebracht.
Wer helfen oder Kilometer kaufen will: Kontonummer 26690 bei der Sparkasse Detmold, Bankleitzahl 47650130. Nähere Informationen zur Ghanahilfe der Gemeinde gibt's im Internet: www.vahlhausen.de.
aus: LIPPISCHE LANDES-ZEITUNG (26./27. Mai 2007)
VON MARTIN HOSTERT
Konzert brachte 2000 Euro für Ghana
Gemischter Chor Concordia Diestelbruch und Männerchor Vahlhausen sangen für guten Zweck
Pastor Andres Wagner begrüßte die Konzertgäste in der Kleidung eines Häuptlings aus Kpalba in Nordghana.
"Will der Pastor im T-Shirt die Moderation für ein Benefiz-Konzent machen?", hörte man Stimmen in der Kirche von Vahlhausen, als die Konzertgäste Andres Wagner sahen, der noch die letzten akustischen Feinheiten für das Konzert regelte. Als er dann in der Kleidung eines Häuptlings aus Kpalba in Nordghana das Publikum begrüßte und zwischen den musikalischen Darbietungen über das Leben in dieser Region Afrikas erzählte, wurde allen Zuhörern die Wichtigkeit dieses Konzertes klar.
"Ich war bei meiner Reise von 16 Tagen 13 Tage ohne Strom, dann ist das Leben völlig anders", berichtete
Pastor Andres Wagner von seinem Besuch in der Region. Mit dem Erlös dieses Konzertes sollen dort einfachste Hilfsmittel, die mit Strom betrieben werden, angeschafft werden. Während für uns die Kühlung von Getränken Luxus ist, ist dort ein Kühlschrank dringend notwendig für die Kühlung von Impfstoffen, zum Betreiben eines Funkgerätes, für die Kühlung von Räumen, für Operationsgeräte sowie für Licht - denn nach Anbruch der Dunkelheit können Untersuchungen nur noch eingeschränkt durchgeführt werden - und das für kranke Menschen, die schon einen Tagesmarsch für die Behandlung hinter sich haben.
So gaben beide Chöre ihr Bestes und präsentierten ein sehr abwechslungsreiches Programm. Auch die Solisten wie Bruno Gebauer vom Landestheater Detmold, der Violinist Magnus Leste sowie der erst 15-jährige Pianist Su Hong Park begeisterten mit ihren Werken der klassischen Musik das Publikum. Die musikalische Leitung hatte der Chorleiter beider Chöre, Prof. Dr. Werner Czesla, der auch mit seinen Klavierbeiträgen die Solisten begleitete. Die Übergabe des Schecks an Pastor Andres Wagner erfolgt in der Kirche zu Vahlhausen.
(aus: DETMOLDER KURIER NR. 38 / 18. Mai 2007)
Gute Fortschritte bei unseren Kliniken in Ghana
Gestern erhielt ich eine Email aus Ghana mit ein paar Bildern, die den Fortgang der Arbeiten bei den Unterkünften für die Angestellten unserer Kliniken in Kpalba und Bladjai dokumentieren. Die Bilder sind mir von einem Helfer der Norddeutschen Missionsgesellschaft geschickt worden, der im Gebiet von Bladjai seit zwei Monaten Dienst tut. Zwar habe ich von Kpalba selbst keine Photos, weiß aber, dass dort die Arbeiten auf dem gleichen Stand sind. Die Unterkünfte sind notwendig, um überhaupt qualifiziertes Personal an die Kliniken zu binden.
In der Tat sind die Arbeiten weit voran geschritten. Die ersten Rundhäuser in Bladjai sind so gut wie fertig gestellt. Auf dem Bild, das zuletzt gemacht worden ist, kann man erkennen, dass sogar schon die Türen eingesetzt worden sind. Auf einem weiteren, früher gemachten Bild, ist zu erkennen, dass in der in Ghana üblichen Bauweise zunächst das Dach auf Holzpfählen errichtet wird und dann die Wände innerhalb dieser Pfähle "hochgezogen" werden. Nun muss nur noch der Innenhof mit Lehm befestigt, sowie die Toiletten und die Küche errichtet werden.
Ich muss sagen: Erstaunlich, was die Dorfbewohner geleistet haben, seit sie das Geld von uns erhalten haben. Denn es war ja nicht nur der reine Bauvorgang, der verrichtet werden musste. Zuvor musste erst der Untergrund hergerichtet, sowie die Ziegel in traditioneller Bauweise gebrannt werden. Diese werden noch in der gleichen Weise hergestellt, wie schon zu Zeiten, als das Volk Israel in Ägypten war: Lehm wird mit Stroh vermischt. Dieser Masse wird dann ein Bindemittel (damals Erdpech, heute Zement) untergemischt. Mit den Bildern ist schön dokumentiert, dass unser geschicktes Geld tatsächlich so verwendet worden ist, wie es von uns vorgegeben war.
Wenn Sie Interesse am weiteren Vorgehen in den Dörfern haben, wenden Sie sich ruhig an mich. Ich werde Sie auf dem Laufenden halten. In einem nächsten Schritt muss das Haus in Bladjai ans Stromnetz angeschlossen sowie mit Wasser versorgt werden. In Kpalba müssen wir generell erst einmal für eine Strom- und Wasserversorgung Sorge tragen.
Ihr Andres Wagner
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Neues aus Kpalba
aus: "UNSERE GEMEINDE Vahlhausen", Mai 2006
Die neuesten Nachrichten sind erst drei Wochen alt. Doch das, was sie vermelden, bedeutet schon einen großen Erfolg auf unserem Weg, die Krankenstation Kpalba in Nordghana im Laufe der Zeit zu einer effektiven und innovativen kleinen Klinik zu machen, die sich selbst tragen kann. In einer der letzten Ausgaben berichteten wir darüber, dass der Kirchenvorstand 2500,- bereitgestellt hatte, um ein paar Rundhütten für das Personal der Klinik bauen zu können. Die Hebamme, die früher in unserer Krankenstation gearbeitet hatte, hatte diese verlassen, weil es in dem Ort keine Unterkunft für sie gab.
Bei meinem Besuch im vergangenen Jahr konnte ich mit den Dorfbewohnern aushandeln, dass wir das Geld für den Zement, für Türen und Fenster usw. bereitstellen, dass dafür aber die Bewohner für den Bau der Hütten zuständig sind. Das heißt, für das Formen der Ziegel, die Rodung des Untergrundes, Erstellung des Fundamentes und den Bau der eigentlichen Hütten, die dann einen eigenen kleinen Hof bilden. Und siehe da: Sobald das Geld in Ghana eingetroffen war, machten sich die Dorfbewohner an die Arbeit. Ein guter Teil der Bauarbeiten ist mittlerweile abgeschlossen, ebenso macht die dringende Renovierung der Klinik gute Fortschritte.
Der eigentliche Erfolg aber liegt in der Tatsache, dass sich nun eine Hebamme gemeldet hat, die den Dienst in Kpalba weiter versehen möchte und dafür auch in den Ort zu ziehen bereit ist. So haben wir nun nach einem Jahr Unterbrechung wieder die echte Gelegenheit, den Müttern auf Dauer eine wirkliche Chance zu bieten, ihre Kinder unter Bedingungen zur Welt zu bringen, die annähernd menschenwürdig sind und Müttern und Kindern somit die Möglichkeit zum Überleben zu bieten.
Das ist zwar ein sehr schöner Erfolg für unsere Bemühungen, doch es ist nur ein Anfang. Weitere Aufgaben werden noch auf uns zukommen. So muss die Krankenstation und das Dorf dringend ans Stromnetz angeschlossen werden. Ohne Elektrizität kann die Hilfe nicht wirklich effektiv sein, weil selbst einfachste medizinische Hilfsmittel, die mit Strom betrieben werden, nicht vom Personal genutzt werden können. In erster Linie wäre da der Kühlschrank zu nennen, der dringend für die Kühlung von Impfstoffen und Seren benötigt wird, denn es hat sich gezeigt, dass der gasbetriebene Kühlschrank keine wirkliche Lösung ist. Auch kann das Funkgerät nicht angeschlossen werden, um Hilfe in schweren Fällen anfordern zu können. Nach Anbruch der Dunkelheit gegen 17 Uhr, können Untersuchungen nur noch eingeschränkt vorgenommen werden. Für Menschen, die aus weiter entfernt liegenden Dörfern zur Klinik kommen und schon einen Tagesmarsch hinter sich haben, heißt das, eine Nacht warten zu müssen, bis wieder Tageslicht herrscht.
Eine Versorgung der Klinik mit Strom bedeutet eine Investition von fast 5.000,- - zuviel, als dass diese Summe dem normalen Gemeindehaushalt entnommen werden könnte. Und doch müssen wir das Geld zusammen bekommen, um die Hilfe, die wir begonnen haben, nicht auf halbem Wege einschlafen zu lassen. Wir sind dabei auch auf Ihre Ideen angewiesen, wie es möglich sein kann, das Geld zusammen zu bekommen. Ich bin sehr gespannt darauf.
Neues aus Kpalba
aus: "UNSERE GEMEINDE Vahlhausen", Februar 2006
Wie viele von ihnen wissen, war ich im Herbst vergangenen Jahres noch einmal in Ghana, um ein Auge auf die beiden Kliniken in Bladjai und Kpalba zu werfen. Kpalba wird nun schon seit vielen Jahren von unserer Gemeinde unterstützt. Dabei habe ich sehr viel Positives entdecken können und bin sehr hoffnungsvoll wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Ich war erstaunt, wie gewissenhaft unsere Wünsche, die Spenden betreffend von den Mitarbeitern der Klinik umgesetzt werden. Am meisten erstaunt hat mich aber einmal mehr, mit welchem Engagement die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Klinik sich den Kranken widmen und welchen medizinischen Sachverstand sie dabei an den Tag legen. Die Aufgabe, der sie sich zu stellen haben ist keine leichte. Heißt es doch, wirkungsvoll zu arbeiten ohne ausreichende Mittel in den Händen zu haben.
Diagnosen müssen unter einfachsten Voraussetzungen gestellt werden und meistens werden sie auch richtig gestellt ohne teure medizinische Geräte zur Verfügung zu haben. Und ebensolches gilt dann für die nachfolgenden Therapien. Doch wenn auch alles so absolut ärmlich, für manche vielleicht sogar erbärmlich, wirken mag, ist es eine echte Hilfe für die Bewohner der Umgebung. Und einmal mehr sprach mir der Häuptling des Dorfes unter Tränen seinen ausdrücklichen Dank aus. Ein Dank an die ganze Kirchengemeinde und die vielen Spender.
Doch gab es natürlich auch Betrübliches. So hat uns die Hebamme verlassen, die auf dem Foto noch abgebildet war. Der Grund für ihren Weggang ist, dass es für sie in Kpalba keinen Wohnraum gab und sie die Strecke von der Kreisstadt nicht mehr bewältigen konnte. Deshalb hat der Kirchenvorstand beschlossen als erstes nun ein Haus in traditionellem afrikanischen Stil für sie zu finanzieren. Dafür waren Mittel von knapp 2.500€ nötig, die wir schon nach Ghana überwiesen haben. Von dem Geld wird nur das Material bezahlt, die Häuschen werden durch die Dorfbewohner in Eigenleistung erstellt. Diese Maßnahme ist überaus wichtig, denn wir müssen auf Dauer eine Hebamme an die Klinik binden, um den Frauen und Neugeborenen wirksam zu helfen. Ebenso haben wir eine Summe Geldes bewilligt, um die Klinik zu renovieren, denn Termiten und Fledermäuse haben ihr hier und da arg zugesetzt. Auch werden Dorf und Klinik in absehbarer Zeit durch den Staat mit Elektrizität versorgt.
Ebenso haben wir einen Plan aufgestellt, um die Klinik in fünf Jahren so weit zu bringen, dass sie sich selbst tragen kann und wir an eine Erweiterung denken können. Dafür sind in den kommenden Jahren stolze 20.000€ nötig, die wir irgendwie zusammenbekommen müssen und auch werden. In einer der nächsten Ausgaben werde ich Sie über diesen Plan in Kenntnis setzen.
Ihr Andres Wagner
Grüße aus Ghana
Bericht von Pastor Wagner
aus: "UNSERE GEMEINDE Vahlhausen", April 2005
Viele von Ihnen wissen es bereits, dass ich im März nach drei Jahren erstmals wieder im Auftrag des Partnerschaftsausschusses der Klassen Hörn, Detmold, Blomberg und Bösingfeld mit einer Delegation in Ghana war. Bereits im letzten Jahr war eine kleine Gruppe von Ghanaern hier bei uns zu Gast. Unsere Reise sollte aber nicht als Gegenbesuch verstanden werden, sondern als eine Reise, auf der wir auch die verschiedensten Projekte der einzelnen Kirchenkreise besichtigen wollten.
Unsere Kirchengemeinde unterhält ein kleines Krankenhaus - wobei diese Bezeichnung an sich schon eine Übertreibung ist - im Ort Kpalba, hoch im Norden Ghanas. Diese Gegend zählt zu den ärmsten der Welt. Vor drei Jahren fand ich praktisch nur den Rohbau vor, ohne jegliches Inventar. Dazu ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, die diesen Dienst eher schlecht als recht vollzogen. Vahlhausen hatte eine nicht unbeträchtliche Summe als Soforthilfe geschickt und in den nachfolgenden Jahren Geld zur weiteren Finanzierung der laufenden Kosten überwiesen. Bei meinem jetzigen Besuch war ich wirklich angenehm überrascht, wieviel mit dem Geld tatsächlich geleistet worden ist. Eine Grundausstattung wurde angeschafft, die zwar für unsere Augen eher erbärmlich aussieht, aber ihren Dienst erfüllt. Es wurde ein Krankenpfleger eingestellt, sowie eine Hilfsschwester. Eine Hebamme aus Yendi versieht dreimal in der Woche ihren Dienst in Kpalba. Ein Moped konnte angeschafft werden, um die weiter entfernten Dörfer zu bedienen. Alles in allem war es ein guter Eindruck, wenn auch noch einiges zu wünschen übrig bleibt.
In Gesprächen mit den Dorfbewohnern konnte ich mich von der Dankbarkeit dieser Menschen, die buchstäblich nichts haben, überzeugen. Und auch von ihrem Engagement, die Klinik am Leben zu erhalten. Denn alle Geldleistungen nützen nichts, wenn die Menschen selbst nicht von der Wichtigkeit einer Sache überzeugt sind und sich auch für sie einsetzen.
Vom Häuptling des Dorfes darf ich allen, die sich durch eine Spende am Erhalt der Klinik beteiligt haben, den tiefen Dank aller Bewohner ausrichten. Unsere Bereitwilligkeit zu helfen, ist Grundlage für ihre Chance, zu überleben.
Es gibt sicher noch eine Menge zu tun. Ein nächstes Projekt ist es, Strom nach Kpalba zu bekommen. Der ist wichtig, um einen dringend benötigten Kühlschrank zu installieren. Es hat sich gezeigt, dass die Gas betriebenen Kühlschränke nicht wirklich tauglich für ihren Dienst sind, da es gerade in der Regenzeit, wenn diese Gegend vom Rest des Landes abgeschnitten ist, unmöglich ist, an Gasflaschen zu kommen. Am Ende der Trockenzeit hingegen gehen die Temparaturen über die 50 Gradmarke hinaus, sodass das Gas auch nicht in großen Mengen gelagert werden kann. Eine Kühlung aber ist absolut notwendig, um Impfstoffe und Schlangenseren lagern zu können. Denn nach Malaria sind Schlangenbisse die häufigste Todesart in dieser Gegend.
Wie uns das gelingen kann, weiß ich selbst noch nicht genau. Nur dieses: Es muss einfach gelingen.
Musik hilft!
Benefizkonzert im Februar 2003
Es war ein großer Abend für die Kirchengemeinde und ein unvergesslicher
Konzertabend. Der Gemischte Chor Concordia Diestelbruch und der Männerchor Vahlhausen hatten zu einem
Benefizkonzert zugunsten der Klinik in Kpalba, Nordghana, die von unserer Gemeinde maßgeblich unterstützt
wird, eingeladen. Geboten wurde den ZuhörerInnen ein wirklich reichhaltiges Angebot, das von klassischer
Opernmusik, über Operette, Musical bis hin zu traditioneller sowie moderner Chormusik reichte. Beide Chöre
brachten ihre Stücke äußerst gekonnt und mit sichtlicher Freude vor.
Zusätzlich aufgewertet wurde der Abend durch die guten Solisten Melanie Loll (Sopran), sowie Bruno Gebauer
(Tenor) vom Landestheater Detmold. Frau Loll war in buchstäblich letzter Minute für die verhinderte Evelyn
Czesla aus dem "fernen" Hannover angereist. Sie war sicherlich einer der Höhepunkte des Abends und vermochte
nicht nur stimmlich zu überzeugen sondern auch durch eine schauspielerische Ausstrahlung, die unter heutigen
Sängerinnen ihres Gleichen sucht. Ebenso sicher in seiner Darbietung war Bruno Gebauer, der in Vahlhausen durch
diverse Auftritte mit dem Männerchor eine gewisse Bekanntheit erreicht hat. Dass er einer der Stars in der heimischen
Musikszene ist, bewies er an diesem Abend einmal mehr. Die Duette der beiden gehörten wohl zum Schönsten, was die
meisten der Besucherinnen und Besucher seit langem erlebt hatten.
Auch unser Bürgermeister, Friedrich Brakemeier ließ sich von der Freude an diesem Abend anstecken und
führte äußerst gekonnt durch das Programm.
Ich bin überzeugt: Niemand der BesucherInnen hat sein oder ihr Kommen an diesem Abend bereut.
Wie gesagt: Es war ein großer Abend. Aber nicht nur für die Kirchengemeinde sondern vor allem für die
Menschen in Kpalba. Denn eine Woche später konnte im Gottesdienst ein Scheck überreicht werden, der die
stolze Summe von 2000,-€ aufwies. Dieses ist eine enorme Summe für den Erhalt der Klinik.
(Leider wurde diese Summe erst nach Drucklegung des Gemeindebriefes bekannt, sodass dort noch von 1400,-€
ausgegangen wurde.) An dieser Stelle möchte ich darum beiden Chören meinen aufrichtigen Dank sagen.
Übergabe des Schecks über 2000 € vom Erlös des Benefizkonzertes an Pastor Wagner im Gottesdienst am 16.02.2003 durch Ursel Klinge und Werner Kroos.
Nachfolgend gebe ich nun einen Brief eines Mitarbeiters der ghanaischen Landeskirche, Lovelace Mensah
in Übersetzung wieder, der mich in dieser Woche aus Ghana erreicht hat. Herr Mensah hatte sich, nachdem er
von mir die Nachricht über den Erlös des Konzertes bekommen hatte, auf den gut 600 Kilometer langen beschwerlichen
Weg nach Kpalba gemacht, um die gute Nachricht zu überbringen:
Lieber Andres,
Grüße aus Ghana, speziell von den Leuten aus Kpalba. Du kannst dir die Freude nicht vorstellen als wir die
Nachricht von dem Erlös des Konzertes erhielten. Unsere Herzen machten Sprünge wegen der verschiedenen
Menschen, die durch den Geist Gottes erreicht wurden um den Leuten in Kpalba zu helfen, die nichts mehr
benötigen als eine medizinische Grundversorgung.
Wir konnten die immensen Anstrengungen des Partnerschaftskomitees und all der Menschen, die sie in diesen
Bemühungen unterstützt haben, gar nicht richtig glauben. Möge der allmächtige Gott es ihnen lohnen. Allen,
die auf verschiedene Weise dazu beigetragen haben, sage, sie seien Helden. Allen, die noch nicht in der
Lage waren zu helfen wünschen wir, dass der allmächtige Gott sie in Zukunft fähig machen möge.
Wir sagen euch: diese Gabe wird uns in die Lage versetzen, dass werdenden Mütter ihre Kinder in sauberen
Betten zur Welt bringen können, dass Schlangenbisse behandelt, Basis-Medikamente angeschafft und weitere
Einrichtungsgegenstände für die Klinik gekauft werden können. Ebenso kann Benzin angeschafft werden, damit
weiter entfernte Dörfer erreicht werden und dem freiwilligen Klinikpersonal kann ein kleines Gehalt bezahlt
werden. Dadurch werden wir fähig, kostbares Menschenleben zu retten.
Möge der barmherzige Gott uns alle stärken, die Menschheit auf diese Art zu bewahren.
Lovelace Mensah
Spenden für Kpalba
aus: UNSERE GEMEINDE Vahlhausen (April 2002)
Im letzten Gemeindebrief berichtete ich von meiner Fahrt nach Ghana, insbesondere informierte ich Sie über
ein Krankenhaus im Norden Ghanas, das, obwohl es dringend benötigt wird, vielleicht niemals in Betrieb
genommen werden kann, weil die nötigen Mittel dafür in Ghana selbst nicht aufzubringen seien.
Ich bat Sie um Spenden für diese Klinik. Die Resonanz auf meine Bitte war großartig. Mittlerweile sind
mehr als 2500 ,-€ an Spendenmitteln allein aus unserer Gemeinde eingegangen, daneben eine große Menge
an Sachspenden in Form von zum Teil dringend benötigten Medikamenten. Da die Kirchengemeinde, wie
berichtet, für jeden bei uns gesammelten Euro einen weiteren in den Hilfsfond einzahlen wird, kommen wir
auf eine Summe, die ganz sicher ausreichen wird, den Betrieb des Krankenhauses aufzunehmen, ja, ihn auch
auf längere Zeit jetzt schon sichern zu können. Unsere Freunde in Ghana haben mir dieses bereits bestätigt
und im Lande selbst schon die ersten Schritte unternommen.
Und die Hilfe geht weiter: Der Männerchor Vahlhausen und der Chor Concordia Diestelbruch planen
ein Benefiz-Konzert zu Gunsten der Klinik. Achten Sie bitte hierbei auf die weiteren Veröffentlichungen.
Hier noch einmal unsere Bankverbindung:
Kto.Nr. 26690, Spk Detmold, BLZ 47650130
Ihr Andres Wagner
Geburten in einem Kreißsaal ohne Bett
LIPPISCHE LANDES-ZEITUNG, Freitag, 8. März 2002
Hilfsaktion für Ghana: Kirchengemeinde Vahlhausen verdoppelt jeden gespendeten Euro
Detmold-Vahlhausen
(mah).
Hunger. Zustände, die kaum zu beschreiben sind. So gut wie keine medizinische Versorgung.
Pastor Andres Wagner ist von den Gegebenheiten in Kpalba (Ghana) erschüttert. Der Vahlhauser Gemeindepfarrer
hat nun eine Hilfsaktion gestartet.
Im Januar war Wagner mit einer Delegation aus vier lippischen Kirchenkreisen in Ghana. Eines der Reiseziele
war eine kleine "Busch-Klinik".
Wagner:
"Wir haben Kinder gesehen mit deutlichen Mangelerscheinungen und missgestalteten Bauchnabeln, die Zeugnis
davon gaben, dass ihre Mütter sie unter den erbärmlichsten Umständen zur Welt bringen mussten." Die
Sterblichkeitsrate bei Frauen während ihrer Niederkunft sei erschreckend hoch, medizinische Versorgung fand
so gut wie nicht statt. Nun sei es ein wahrer Segen, dass die ghanaische Kirche im Verbund mit anderen
Hilfsorganisationen ein kleines Krankenhaus finanziert hat. Die Regierung verpflichtete sich im Gegenzug
zum Bau eines Wohnheims für das Klinik-Personal.
"Nun ist die Klink fertig und die Unterkünfte stehen bereits im Rohbau. Dennoch kann es geschehen, dass
das Krankenhaus niemals in Betrieb genommen wird," berichtet der Pfarrer. Denn es fehlen die komplette
Inneneinrichtung sowie nahezu alle notwenigen medizinischen Geräte. "Es gab keine Betten, keine Schränke
für Arznei, der Kreißsaal ist völlig leer, die Frauen müssen ihre Kinder auf dem nackten Boden zur Welt
bringen."
Dies habe damit zu tun, dass es der Kirche in Ghana an Geld fehle - bedingt unter anderem durch weniger
Spenden aus Deutschland. "Die Mittel sind auch hier knapper geworden -sowohl bei den größeren Organisationen als auch
bei den potentiellen Spendern."
Dabei geht es lediglich um eine Summe von 4000 Euro. "Die müssten doch aufzutreiben sein," meint Wagner.
Er bittet daher in seiner Gemeinde und in der Stadt um Hilfe: "Damit durchaus heilbare Krankheiten nicht
weiter tödlich verlaufen müssen. Damit Hebammen Frauen helfen können." Das besondere an Wagners Initiative
ist, dass die Kirchengemeinde Vahlhausen jeden gespendeten Euro verdoppelt.
Andres Wagner hat schon einen Erfolg vorzuweisen: Detmolder Ärzte haben von seinem Engagement erfahren und
jede Menge Medikamente gespendet. Nun steht der Pfarrer in Verhandlungen mit dem Zollamt und der Botschaft
Ghanas in Berlin, um die Zollmodalitäten zu klären.
Wer Andres Wagner helfen will: Tel.: (05231)24449
Schicken Sie Ihre Spende auf unser Konto 26690 bei der Sparkasse Detmold BLZ 47650130 unter dem Stichwort "Kpalba".



